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Die Welt und H. Wolf
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Die Welt und Harald Wolf

        Die Schule des Sehens

Die Fläche und der Raum sind Fragen, die den Künstler Harald Wolf immer wieder beschäftigen. Mit seinen Sammelbildern greift er ein Prinzip auf, das von Dali in verschiedenen seiner Arbeiten angerissen wurde und das der Bruchsaler Künstler konsequent zu einer Schule des Sehens ausgebaut hat. Vor einer großformatigen ungegenständlich bemalten Leinwand stehen eine Reihe abstrakter, bemalter Objekte. Erst beim Blick durch eine Röhre sammeln sich die Einzelteile zu einem Ganzen. Vor dem Auge des Betrachters entsteht ein gegenständliches Bild. Die Distanz sowohl zwischen den einzelnen Bildkomponenten untereinander als auch zwischen ihnen und der Röhre, erzeugen ein Bild im Raum-  Harald Wolf malt es mit Hilfe des simplen durch die Röhre geschaffenen Rahmens direkt auf die Netzhaut des Betrachters.

        Mehrdimensionalität

Auch beim Aufbau seiner mehrteiligen Bilder verläßt der Künstler die Fläche des Malgrundes. Gefundene Äste verbinden die Einzelbilder und setzen als frei im Raum schwebende Linien die Konturen der gemalten Motive über den Rahmen hinausgehend, fort. Das Bild verläßt seinen Rahmen und erobert den Raum.

In seinen Performanzen führt er dieses Prinzip der Mehrdimensionalität weiter aus. Indem er die schwarzgewandeten Körper von Menschen als Grund mit Leuchtfarben bemalt, und sie sich vor einem schwarzen Hintergrund in einer speziellen Choreographie bewegen läßt, geht er konsequent weiter. Wie er von der Fläche aus den Raum erobert hat, geht er  den Schritt vom Statischen zum Dynamischen. Neben Fläche und Raum durchdringt sein Werk nun eine weitere Dimension: Die Zeit.     

        Struktur, Zufall, Wille

Als Malgrund seiner Acrylbilder verwendet der Künstler ausschließlich an den Nähten aufgetrennten Jeans. So erschafft er eine immer wiederkehrende, einzigartige, augenzwinkernde Hommage an die Allerweltshose und das Bild offenbart die corporate identity des Künstlers, bevor noch ein einziges Farbpigment auf seinen Stil hinweist. 

Die an den Innennähten aufgetrennten Jeans bilden die Stofflächen auf denen Harald Wolf seine Bilderwelten inszeniert. Nähte, Taschen und Knöpfe erzeugen eine bereits vorgegebene Struktur, auf welche der Untergrombacher Künstler mit dünnflüssigen  Acrylfarben arbeitet. In einer speziellen Gießtechnik wird das Acryl auf das vorskizzierte Bild aufgetragen.

Während er in seinen konzeptionell gebundenen Sammelbilder und Performanzen den Zufall aus seinem eigenen Wirken verbannt, entstehen in seinen Acrylarbeiten durch die ineinander verfließenden Farben neben, in und über den vorgegebenen Formen,- gewollt Zufallsergebnisse. Diese Verbindung von Zufall, vorgegebener Struktur und Wille zur Darstellung zieht sich wie ein Abbild des menschlichen Daseins durch das malerische Werk  Harald Wolfs.

      Ein- und Mehrdeutigkeit

Von sich ausgehend sucht Harald Wolf in seinen Bildern  die Auseinandersetzung mit allgemeinen menschlichen Problemen. “Am Anfang steht eine Idee, aber sie  vollendet sich erst durch den Schaffensprozess.”

Mit seiner strengen Formensprache, findet er auf den ersten Blick überraschend einfache Antworten für die Fragen, die ihn beschäftigen. Doch über die von ihm willentlich geschaffenen Formen hinaus, komponieren die vorgegebenen Strukturen des Malgrundes und das Ineinanderfließen der Farben neue Formen,- und es ergeben sich weitaus komplexere Antworten .

Wie in seinen Sammelbildern wo man jedes einzelne Bestandteil  für sich allein aufnehmen kann, entsteht auch hier eine neue vielschichtige Lesbarkeit. Das auf den ersten Blick eindeutige Bild, wird mehrdeutig. Innerhalb der Bildwirklichkeit korrespondieren die Ein- mit der Mehrdeutigkeit ebenso wie die Gegenständlichkeit mit der Abstraktion: und so zeigt der Künstler eine Wahrheit, die sowohl so komplex, als auch so einfach erscheint, wie die Welt selbst.

          Ausblick

Das Spiel mit Mehr- und Eindimensionalität, mit Zufall und Konzept, mit Einfachheit und Komplexität ist keine Marginalie im Werk Harald Wolfs, sondern künstlerisches Prinzip. Wie ein Scheinwerferspot beleuchtet er damit die Polarität der Welt, zeigt uns wie bei einem Blick durch ein Fenster einen Ausschnitt, in dem für einen Moment offenbar wird, wie sie funktioniert.